Nach 37 Jahren im VSE NRW: Erik Bedarf geht in den Ruhestand

20.10.2026

Nach 37 Jahren im VSE NRW e.V. verabschiedet sich Erik Bedarf in den Ruhestand. Als Pädagoge, Fachberater und langjähriger Sprecher der Dortmunder AG 78 Hilfen zur Erziehung hat er nicht nur die Entwicklung des VSE NRW im Ruhrgebiet und am Niederrhein entscheidend mitgeprägt. Mit seiner konsequenten Orientierung an den Interessen junger Menschen hat er auch in der Dortmunder Jugendhilfelandschaft wichtige Spuren hinterlassen.

Begonnen hat Erik Bedarf seine Arbeit im VSE 1989 als Pädagoge in der Mobilen Betreuung. Später wechselte er in die Pädagogische Beratungsstelle Ruhr/Niederrhein und begleitete dort über viele Jahre zahlreiche Teams des VSE NRW als Fachberater. Viele fachliche und strukturelle Entwicklungen des Vereins und insbesondere des Bereichs Ruhr/Niederrhein tragen seine Handschrift.

Dabei ging es ihm nie allein um Strukturen und Organisation. Im Zentrum seines fachlichen Handelns standen immer die jungen Menschen – ihre Sichtweisen, ihre Wünsche, ihre Entscheidungen und auch ihre Widersprüche. Diese konsequente Adressat*innenorientierung entspricht dem pädagogischen Grundkonzept des VSE NRW „Sich am Jugendlichen orientieren“. Es geht von einem positiven Menschenbild aus und nimmt junge Menschen als Expert*innen für ihr eigenes Leben ernst. Also „radikale Orientierung“ an den Interessen junger Menschen, wie Erik Bedarf es ausdrückte.

Diese Haltung hat Erik Bedarf über Jahrzehnte innerhalb des VSE NRW e.V. vertreten, diskutiert und weitergetragen und ebenso konsequent nach außen verteidigt. Für ihn war die Orientierung an jungen Menschen kein abstraktes pädagogisches Prinzip, sondern eine konkrete fachliche und politische Verpflichtung: Jugendhilfe muss sich daran messen lassen, ob sie jungen Menschen gesellschaftliche Beteiligung und Selbstbestimmung ermöglicht und Hilfen so gestaltet, dass sie zu ihren individuellen Lebenssituationen passen. Das bedeutet und wurde von Erik Bedarf stets so formuliert: Die Kunst Sozialer Arbeit liegt darin, am Leben der Menschen beteiligt zu werden.

Besonders sichtbar wurde dieses Selbstverständnis in seinem langjährigen kommunalpolitischen Engagement in Dortmund. Als Sprecher der AG 78 Hilfen zur Erziehung setzte sich Erik Bedarf für die freien Träger und zugleich mit großer Beharrlichkeit für die Interessen junger Menschen und ihrer Familien ein. Er brachte fachliche Positionen in politische und strukturelle Debatten ein, knüpfte Netzwerke und suchte auch dort den Dialog, wo unterschiedliche Interessen und Perspektiven aufeinandertrafen. Im Bereich der Wohnungslosenhilfe war Bedarf auch überregional über viele Jahre engagiert und fungierte als Sprecher des FAK 67 des Paritätischen NRW.

Mit strategischem Geschick, großer fachlicher Klarheit und einem ausgeprägten Gespür für Entwicklungen in der Jugendhilfe hat Erik Bedarf damit weit über den VSE NRW e.V. hinausgewirkt. Sein Engagement hat die Zusammenarbeit der Jugendhilfe in Dortmund mitgeprägt und dazu beigetragen, die Perspektiven junger Menschen in fachpolitischen Diskussionen immer wieder in den Mittelpunkt zu rücken.

„Erik und ich hatten, trotz unterschiedlicher beruflicher und biografischer Erfahrungen, vom ersten Moment an die gleiche Haltung in der Arbeit mit den jungen Menschen und ihren Familien: gute Beziehungsqualität ist zwingend für den Vertrauensaufbau, Authentizität der Erwachsenen ist genauso erforderlich wie ein vertieftes Fallverstehen. Und dazu braucht es eine faire Einbeziehung des Herkunftssystems der Kinder und Jugendlichen! Das Helfersystem muss diese Haltung idealerweise auf allen Ebenen einnehmen. Das gelingt bei den vielen, unterschiedlichen Beteiligten im Helfersystem nur schwerlich von allein. Aber darum zu ringen war Eriks Sache. Ich glaube, er hatte oft richtig Freude daran, die entsprechenden Diskussionen herauszufordern und zu führen. Darin bestand seine Meisterschaft: zwingende fachliche Argumentation und das auf für jeden verständliche Weise! Ich habe immer bewundert, wie er die Grundlagen und Zusammenhänge in der Jugendhilfe klar und verständlich ins Wort bringen konnte! Mir war es immer eine Freude und eine Bereicherung, mit ihm zu diskutieren und dann gemeinsam um die richtigen Wege und Entwicklungen in der Jugendhilfe zu streiten. Und zudem konnte man mit ihm über so trockene Angelegenheiten wie Qualitätsstrukturen und wirkungsorientierte Evaluation sehr humorvoll und trotzdem ernst ringen“, würdigt ihn Friedhelm Evermann, ehemals Leiter der Jugendhilfe St. Elisabeth in Trägerschaft der SJG St. Paulus GmbH und langjähriger Wegbegleiter von Erik Bedarf als Sprecher der AG 78 HzE.

Auch die Entwicklung des VSE NRW e.V. im Ruhrgebiet und am Niederrhein ist eng mit seinem Wirken verbunden. Der heutige Bereich Ruhr/Niederrhein, seine fachlichen Strukturen und die Zusammenarbeit seiner Einrichtungen sind über viele Jahre gewachsen, und Erik Bedarf war an vielen dieser Entwicklungen maßgeblich beteiligt. Die konsequente Beteiligung junger Menschen übertrug er dabei auf sein Strukturverständnis des Vereins – konsequente basisdemokratische Mitbestimmung und Verantwortung aller Mitarbeiter*innen.

Dabei verband er strategisches Denken mit der fachlichen Überzeugung, dass Strukturen kein Selbstzweck sind: Erst sie machen gute Soziale Arbeit möglich.

Nach 37 Jahren endet nun Eriks berufliche Zeit im VSE NRW. Seine fachliche Haltung, seine Impulse und viele der von ihm mitgestalteten Strukturen bleiben.

Lieber Erik, wir danken dir für 37 Jahre Engagement, Beharrlichkeit, kritische Fachlichkeit und leidenschaftlichen Einsatz für junge Menschen. Du hast den VSE NRW und die Hilfelandschaft in Dortmund nachhaltig mitgeprägt. Für deinen Ruhestand wünschen wir dir alles Gute – und vor allem ausreichend Zeit für all das, was in 37 Jahren VSE vielleicht manchmal zu kurz gekommen ist.