
Am vergangenen Wochenende durften wir im Netzwerk Pflegefamilien 30 Pflegeeltern zu einem besonderen Workshop begrüßen. Im Mittelpunkt stand ein Thema, das den Familienalltag in Pflegefamilien auf vielfältige Weise berührt: Emotionsregulation.

Als Referent begleitete uns Dr. Manuel Föcker von der LWL-Kinder- und Jugendpsychiatrie Campus Gütersloh mit fachlicher Tiefe, großer Klarheit und wertvollen Impulsen für die Praxis. Dafür sind wir sehr dankbar.
Der Workshop begann mit einer Achtsamkeitsübung. Schon dieser Einstieg machte deutlich, wie eng die Wahrnehmung eigener innerer Zustände mit dem Miteinander im Alltag verbunden ist. Gerade in der Begleitung von Pflegekindern, die häufig belastende Erfahrungen gemacht haben, ist es bedeutsam, nicht nur auf das Kind zu schauen, sondern auch auf die eigene innere Verfasstheit.
In anschließenden Kleingruppen tauschten sich die Pflegeeltern darüber aus, was Pflegekinder für ein gutes Aufwachsen brauchen. Dabei wurde spürbar, wie viel Erfahrung, Reflexionsfähigkeit und Engagement in der Gruppe vorhanden war. Gleichzeitig zeigte sich, dass es in der Erziehung und Begleitung von Pflegekindern oft keine einfachen Antworten gibt.
Ein zentrales Thema war die Dialektik zwischen unterschiedlichen Polen, die im Familienalltag immer wieder ausbalanciert werden muss:
zwischen Nähe und Distanz, zwischen Grenzen und Freiraum. Diese Spannungsfelder machen deutlich, dass es nicht immer ein eindeutiges „richtig“ oder „falsch“ gibt. Vielmehr braucht es ein sensibles Wahrnehmen, ein gemeinsames Nachdenken und die Bereitschaft, immer wieder neu auf die Bedürfnisse des Kindes und auf die jeweilige Situation zu schauen.
Eine wichtige Erkenntnis des Tages lautete:
Eigene Achtsamkeit bereitet einen guten Boden für die Wahrnehmung des Anderen.
Dieser Gedanke berührt einen wesentlichen Kern in der Begleitung von Pflegekindern. Wer mit sich selbst in gutem Kontakt ist, kann Signale des Kindes häufig klarer wahrnehmen, angemessener reagieren und auch in herausfordernden Situationen eher handlungsfähig bleiben. Selbstfürsorge und Achtsamkeit sind damit kein zusätzlicher Anspruch, sondern ein wichtiger Teil gelingender Beziehungsgestaltung.
Wir blicken dankbar auf einen intensiven, fachlich bereichernden und zugleich sehr alltagsnahen Workshop zurück. Der Austausch unter den Pflegeeltern, die Offenheit in den Gesprächen und die vielen Denkanstöße haben einmal mehr gezeigt, wie wertvoll gemeinsame Lernräume für Pflegefamilien sind.
Herzlichen Dank an Dr. Manuel Föcker für die fundierte und zugewandte Gestaltung dieses Workshops sowie für die vielen Impulse, die die Teilnehmenden mit in ihren Alltag nehmen konnten.
Fortbildungen und Workshops wie dieser sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Sie bieten Pflegeeltern die Möglichkeit, Wissen zu vertiefen, sich untereinander zu vernetzen und die eigene Rolle mit neuen Perspektiven zu betrachten. Denn Pflegekinder brauchen verlässliche Beziehungen, Verständnis für ihre Lebensgeschichte und Erwachsene, die sie achtsam und stabil begleiten.