Wohnungslosigkeit in Dortmund bis 2030 beenden

08.05.2026

Wie kann Wohnungslosigkeit in Dortmund bis 2030 wirksam überwunden werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich in der vergangenen Woche der Ausschuss für Arbeit, Soziales und Gesundheit (ASAG) der Stadt Dortmund. Vertreter*innen verschiedener gemeinnütziger Träger der Wohnungslosenhilfe, darunter auch Dr. Jan Finzi aus der Pädagogischen Beratungsstelle des VSE NRW e.V., stellten dort gemeinsam aktualisierte Handlungsempfehlungen und Positionen vor. Grundlage waren zahlreiche Gespräche mit Menschen, die selbst von Wohnungsnot betroffen sind.

Ausgangspunkt für die Einladung in den Ausschuss war der „Tag der Wohnungslosen“ am 11. September vergangenen Jahres. Gemeinsam hatten Dortmunder Träger der Wohnungslosenhilfe eine öffentliche Veranstaltung organisiert, bei der Betroffene, Fachkräfte, Politik und Öffentlichkeit miteinander ins Gespräch kamen. Die dort gesammelten Erfahrungen, Rückmeldungen und Forderungen flossen in ein aktualisiertes Positionspapier ein, das nun im Rahmen der Präsentation veröffentlicht wurde.

Im Zentrum der Diskussion stand dabei eine klare Botschaft: Menschen in Wohnungsnot haben dieselben Grundbedürfnisse wie alle anderen Menschen in dieser Stadt: nach Schutz, Sicherheit, Teilhabe, Privatsphäre und einem würdevollen Leben. Wohnen ist ein Menschenrecht.

Drei zentrale Handlungsfelder

Die beteiligten Träger fassten ihre zentralen Forderungen in drei wesentlichen Punkten zusammen:

1. Prävention stärken, Wohnungsverlust verhindern

Wohnungsverlust zu verhindern, bevor Menschen wohnungslos werden, ist nicht nur menschlich sinnvoll, sondern auch die wirksamste und wirtschaftlichste Form der Hilfe. Dafür braucht es niedrigschwellige, flexible und aufsuchende Unterstützungsangebote im gesamten Stadtgebiet. Gleichzeitig müsse die Bevölkerung besser über bestehende Hilfen informiert werden.

In der Diskussion wurde deutlich: Viele Menschen erreichen Unterstützungsangebote erst sehr spät oder kennen sie gar nicht. Zudem fehlen häufig verbindliche und funktionierende Strukturen, um frühzeitig auf Krisen reagieren zu können.

2. Zentrale Koordinierungsstelle schaffen

Wohnungsnot betrifft selten nur den Bereich Wohnen allein. Häufig überschneiden sich Themen wie Gesundheit, psychische Belastungen, Sucht, Arbeit, Migration oder Jugendhilfe. Die Träger fordern deshalb eine zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle innerhalb der städtischen Strukturen, die unterschiedliche Hilfesysteme zusammenführt und besser miteinander verzahnt.

Gerade Menschen in komplexen Fallsituationen erleben oft, dass Zuständigkeiten unklar sind oder Angebote nebeneinander statt miteinander arbeiten. Eine koordinierende Struktur könnte Zugänge vereinfachen und Versorgungslücken schließen.

3. Zielgruppenspezifische Angebote ausbauen

Deutlich wurde auch, dass bestehende Angebote vielerorts an ihre Grenzen stoßen. Tagesaufenthalte sind überlastet, Schutzräume fehlen und bestimmte Zielgruppen finden bislang nicht ausreichend passende Unterstützungsangebote.

Gefordert werden unter anderem:

  • mehr niedrigschwellige Tagesaufenthalte,
  • sichere und abschließbare Unterbringungsmöglichkeiten,
  • bessere Angebote für Menschen mit psychischen Belastungen,
  • barrierearme Zugänge,
  • mehr Schutzräume,
  • ausdifferenzierte Wohn- und Unterstützungsangebote,
  • stärkere Beteiligung von Menschen mit eigener Erfahrung von Wohnungsnot.

Auch grundlegende Infrastruktur wie öffentliche Toiletten, Schließfächer oder diskriminierungsfreie Aufenthaltsorte wurden als wichtige Aspekte eines menschenwürdigen Umgangs benannt.

Aktionsplan für Dortmund gefordert

Die beteiligten Träger machten deutlich, dass Dortmund einen eigenen kommunalen Aktionsplan benötigt, um das Ziel der Bundesregierung zu unterstützen, Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis 2030 zu überwinden. Die aktuelle Entwicklung zeigt den Handlungsdruck deutlich: Allein die Beratungsstelle der Diakonie Dortmund begleitet inzwischen über 2.500 Menschen – eine Verdopplung seit 2013.

Der VSE NRW e.V. versteht sich gemeinsam mit den beteiligten Organisationen als fachpolitische Stimme für Menschen in Wohnungsnot und setzt sich für eine Soziale Arbeit ein, die Beteiligung, Würde und Menschenrechte konsequent in den Mittelpunkt stellt. Denn nachhaltige Lösungen entstehen nur gemeinsam mit den Menschen, die von den bestehenden Strukturen unmittelbar betroffen sind.

Positionpapier Wohnungslosigkeit bis 2030 beenden

Das Positionspapier der Freien Träger der Wohnungslosenhilfe in Dortmund können Sie hier herunterladen.