
Rund 140 Fachkräfte aus der Bochumer Jugendhilfe kamen am 18.3. im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Universität Bochum zusammen, um sich beim Fachtag „Teilhabe gestalten – Barrieren abbauen“ über inklusive Praxis und Weiterentwicklungen in der Unterstützung junger Menschen auszutauschen.

Im Zentrum stand die Frage, wie Teilhabe für junge Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in komplexen Lebenssituationen konkret gestaltet werden kann. Deutlich wurde dabei einmal mehr: Inklusive Jugendhilfe braucht Zeit, Beziehung und verlässliche Kooperationen, insbesondere an Übergängen zwischen verschiedenen Unterstützungssystemen.
Gemeinsam mit der Overdyck Kinder- und Jugendhilfe hat der VSE NRW einen Workshop zum Thema „Teilhabe in stationären Angeboten / Verselbstständigung nach §34“ gestaltet.
Im Fokus stand die gemeinsame Reflexion zentraler Aspekte pädagogischen Handelns, z.B.: Wie können inklusive Lebensräume gestaltet werden? Wie gelingt verständliche und zugängliche Kommunikation? Welche Netzwerke tragen Teilhabe und wie können sie verlässlich gestaltet werden? Und wie wird echte Beteiligung im Alltag ermöglicht?
Ausgehend von diesen Fragen kamen die Teilnehmenden in einen intensiven fachlichen Austausch. Dabei wurde deutlich: Inklusion zeigt sich nicht nur in strukturellen Rahmenbedingungen, sondern vor allem im konkreten pädagogischen Alltag, in der Gestaltung von Räumen, in der Art der Kommunikation, in tragfähigen Kooperationen und in ernst gemeinter Beteiligung von jungen Menschen. Besonders im Blick waren dabei:
1. Orte und Raumgestaltung
Die Teilnehmenden diskutierten, wie Lebensräume in Einrichtungen über grundlegende Barrierefreiheit hinaus gestaltet werden können. Im Fokus stand die Frage, welche räumlichen Bedingungen Zugehörigkeit fördern, etwa durch Orientierung, Rückzugsmöglichkeiten oder die Berücksichtigung unterschiedlicher Sinneswahrnehmungen. Gleichzeitig wurde überlegt, welche Prinzipien eine „inklusive Gestaltung von Anfang an“ leiten könnten.
2. Kommunikation und Zugänge zu Informationen
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Informationen Jugendliche und Sorgeberechtigte mit unterschiedlichen Sprach- und Unterstützungsbedarfen tatsächlich erreichen. Diskutiert wurden konkrete Ansätze wie Leichte Sprache, visuelle Elemente, Audio- und Videoformate oder niedrigschwellige Kanäle. Ebenso ging es darum, wie sich überprüfen lässt, ob diese Angebote wirksam sind.
3. Kooperation und Netzwerke
Die Teilnehmenden tauschten sich darüber aus, in welchen Situationen gelingende Kooperation entscheidend für Teilhabe ist und wo es noch an klaren Zuständigkeiten, verlässlichen Absprachen oder kontinuierlichen Austauschformaten fehlt. Im Fokus standen praxisnahe Ansätze wie feste Ansprechpersonen, niedrigschwellige Fallabstimmungen oder Tandemstrukturen zwischen öffentlichem und freiem Träger.
4. Beteiligung junger Menschen
Ein zentrales Thema war die Frage, wie Beteiligung im Alltag konkret umgesetzt werden kann, und zwar von Hilfeplanprozessen bis hin zu Gruppenstrukturen. Diskutiert wurden Herausforderungen wie unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen, Zeitressourcen oder methodische Fragen. Gleichzeitig wurden Ideen entwickelt, wie Beteiligung auch einrichtungsübergreifend gestärkt werden kann, z.B. durch Jugendgremien oder kontinuierliche Feedbackformate.
Der Workshop bot Raum für Praxisbeispiele, kollegialen Austausch und neue Perspektiven. Die eingebrachten Erfahrungen und Ideen zeigen, dass es gemeinsame Verantwortung braucht, um Teilhabe nachhaltig zu stärken und Unterstützungsprozesse möglichst bruchfrei zu gestalten.
Wir danken allen Teilnehmenden für den offenen Austausch und die vielfältigen Impulse!