
Die Durchsuchung der Räumlichkeiten des Fanprojekts Dortmund im Zusammenhang mit dem Champions-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Inter Mailand sowie die damit einhergehende Erfassung der Personalien der anwesenden Fußballfans stellen aus unserer Sicht einen besorgniserregenden Eingriff in die Arbeit einer anerkannten Einrichtung der Jugendhilfe dar.
Der VSE NRW e.V. solidarisiert sich ausdrücklich mit dem Fanprojekt Dortmund. Als freier Träger der Jugend- und Sozialhilfe mit über 40 Einrichtungen in NRW wissen wir um die Bedeutung von Vertrauen, Niedrigschwelligkeit und Freiwilligkeit in der Beziehung zu jungen Menschen. Diese Grundsätze sind nicht nur konzeptionelle Elemente, sondern gesetzlich verankerte Standards der Kinder- und Jugendhilfe. Sie bilden die unverzichtbare Grundlage jeder wirksamen Präventionsarbeit.
Fanprojekte sind keine „Fanlokale“, sondern Einrichtungen der Jugendsozialarbeit, die sich an junge Menschen in ihrem Lebensumfeld richten und deren Engagement im Kontext Fußball sozialpädagogisch begleiten. Ihre unabhängige, lebensweltorientierte und akzeptierende Ausrichtung macht sie zu wichtigen Partnern in der Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Die Durchsuchung der Räumlichkeiten des Fanprojekts und die gleichzeitige Kriminalisierung der dort Anwesenden gefährden dieses Vertrauen massiv. Die Soziale Arbeit kann nur dann gelingen, wenn ihre Orte und Räume nicht zum Ziel ordnungspolitischer Maßnahmen werden. Außerdem braucht es eine verhältnismäßige und eine die Schutzwürdigkeit dieser Einrichtungen anerkennende Abwägung seitens Justiz und Strafverfolgung, bevor solche Einsätze genehmigt werden. Dies sehen wir bei dem Vorgehen im Fanprojekt Dortmund nicht gegeben.
Wir werten dieses Vorgehen im Fanprojekt als eine Missachtung Sozialer Arbeit als Ganzes und insbesondere der Jugendhilfe. Die mangelnde Wertschätzung der Professionalität Sozialer Arbeit betrifft uns alle, nicht nur die Fachkräfte in der Fanarbeit.
Wir fordern einen sensiblen, rechtsstaatlich reflektierten Umgang mit den Adressat*innen, Fachkräften und Einrichtungen der Jugendhilfe. Sowohl das Fanprojekt Dortmund als auch die LAG Fan Projekte NRW haben die beteiligten Behörden zum sachlichen und lösungsorientierten Dialog aufgerufen, um das Geschehene konstruktiv aufzuarbeiten. Wir bitten alle Akteure, dieses Gesprächsangebot anzunehmen und zu einem kooperativen Miteinander zurückzukehren. Wir stehen ein für ein demokratisches Miteinander, für soziale Gerechtigkeit und für eine Jugendhilfe, die auf Augenhöhe agiert.