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22.12.2011
Im Team für die Gronauer Familien
Sonja Bröckel, Oliver Hildering, Daniel Speer, Tobias Haber, Kerstin Koopmann (v.l.n.r.), Mitarbeiter beim Verbund sozialtherapeutischer EinrichtungenFoto: (cn)
Gronau - Einen Arbeitgeber wie diesen gibt es selten: Wer beim Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE - siehe Infokasten) beschäftigt ist, bestimmt sogar über das eigene Weihnachtsgeld selbst mit. Der in den 70er-Jahren entstandene VSE funktioniert nach dem Prinzip der Selbstverwaltung, als Verein. Das heißt, wer hier arbeitet, kann Mitglied werden und hat dann ein Stimmrecht. Und es heißt: größtmögliche Entscheidungsvollmacht für die Mitarbeiter vor Ort. So wundert es nicht, dass sich die jüngst zum Gronauer VSE-Team hinzugestoßene Sozialpädagogin Sonja Bröckel auf ihr neues Betätigungsfeld freut.
Dabei ist die Arbeit, die die Sozialpädagogen und Sozialarbeiter vor Ort leisten, keine einfache: Das vierköpfige Team engagiert sich in der ambulanten Jugendhilfe und kennt somit alles an Problemen, was in einer Familie vorkommen kann - von der Computerspielsucht über Alkohol- und Drogenprobleme bis hin zu Gewalt in der Familie, psychischen Belastungen und Kriminalität. Und so reicht das Spektrum von Erziehungsbeistandschaften bis zur sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH). Bei Ersterem geht es meist um Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren, wenn Schulstress, Straffälligkeit oder Suchtprobleme nicht mehr ohne Hilfe von außen bewältigt werden können. Bei der SPFH liegt der Fokus auf der Familie als Ganzes; hier haben eher die Eltern oft vielschichtige Schwierigkeiten. Die Vermittlung erfolgt jeweils durch den allgemeinen Sozialdienst beim Jugendamt. „Unser Ziel ist es, dass man ambulant in der Familie vor Ort versucht, Lösungen zu suchen“, erklärt Daniel Speer. „Es gibt da vielleicht unentdeckte Ressourcen, die noch nicht aktiviert wurden.“ Gemeinsam mit den Betroffenen würden die Maßnahmen dazu in so genannten „Hilfeplangesprächen“ besprochen. Während des gesamten Verlaufs wird das Team vor Ort von seinem Fachberater aus Münster, Tobias Haber, unterstützt. Grundsätzlich gehe man davon aus, dass Eltern gute Eltern sein wollten, und so komme es auch zunehmend vor, dass sich Eltern von sich aus ans Jugendamt wendeten. „Die Menschen sind hellhöriger geworden“, meint Oliver Hildering,
Aktuell betreut der VSE in Gronau zehn Jugendliche und ihre Familien ambulant, vier Mädchen werden in sogenannter „mobiler Betreuung“ unterstützt, das heißt, sie leben getrennt von der Familie in einer vom VSE gemieteten Wohnung.
Mit Sonja Bröckel wurde das Team aus Daniel Speer, Oliver Hildering und der Diplom-Sozialpädagogin Kerstin Koopmann um eine zweite Frau ergänzt. Sie ist in Gronau bereits als Leiterin von Elternkursen und Pekip-Gruppen in der Familienbildungsstätte bekannt.
VON CHRISTIANE NITSCHE, GRONAU
6.12.2011


19.10.2011

Münster-Coerde - Kritik am Spielothek-Standort mitten auf dem Hamannplatz gab es erst unlängst beim münsterischen Aktionstag der Caritas, an dem sich auch das Jugendamt und der Arbeitskreis Jugend-Coerde beteiligt hatten. Auf den Aktionstag der Caritas zum Thema Spielsucht in Coerde folgte die Übergabe einer Unterschriftenliste an Oberbürgermeister Markus Lewe.
Peter Griese, Sozialpädagoge der Jugendhilfeeinheit Nord in Coerde, brachte die Liste ins Stadthaus 1 und überreichte sie dem Oberbürgermeister. 724 Bürger haben die Liste innerhalb von gut zwei Wochen unterschrieben, mit der ein Bürgerantrag verbunden wird. Es wird gefordert, dass die Stadt ihren Einfluss auf die Westfälische Bauindustrie nutzen soll, um den Vertrag mit der Spielothek zu kündigen und durch planungsrechtliche Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Ansiedlung eines Vergnügungsbetriebs im Bereich Hamannplatz unterbunden wird.
Damit wende man sich nicht gegen Spielotheken generell, erläuterte Peter Griese, es gehe vielmehr um den Standort mitten auf dem Hamannplatz. Die zentrale Lage der Spielothek ziehe Menschen an und verleite sie - auch aus Langeweile - zum Glücksspiel, heißt es im Bürgerantrag.
„Ein Internet-Café würde am Hamannplatz als Treffpunkt mehr Sinn machen“, nennt Peter Griese ein Beispiel, was er sich als sinnvollen Anlaufpunkt im Herzen von Coerde vorstellen könnte. Dass so viele Coerder die Liste unterschrieben hätten, zeuge von der Aktualität des Anliegens.
VON KATRIN JÜNEMANN, MÜNSTER

10.10.2011

Fortschritte beim „Hummel“-Flug
Gronau - Die „Hummel“ - sie trotzt nicht nur den Gesetzen der Aerodynamik, sie wächst und gedeiht auch prächtig. Da ist es gut, dass sie ein neues Zuhause gefunden hat: Im Stadtteilzentrum „GroW“ an der Herzogstraße fand die Gruppe für Kinder und Jugendliche, die mit einem psychisch belasteten Elternteil leben, reichlich Platz zum gemeinsamen Erleben und Austausch mit Gleichgesinnten, drinnen wie draußen.
Acht Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren nutzen derzeit jeden Mittwochnachmittag das Angebot, das neben der Betreuung durch zwei Sozialpädagogen auch einen Hol- und Bringdienst, Ausflüge und ab sofort eine anonyme Beratung per E-Mail umfasst. „Wichtig ist auch, dass wir die Eltern kennenlernen, damit sie wissen, was wir hier tun“, erklärt Inke Grunwald, die gemeinsam mit Robert Marquardt die Gruppe betreut.
Vermittelt werden die Kinder entweder über die kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik, das Lukas-Krankenhaus oder „mehr und mehr auch durch das Jugendamt“, wie Annette Bretall vom Diakonischen Werk erklärt, einem der Träger des Projekts.
„Wir bieten eine klare Struktur“, sagt Marquardt. Neben Ritualen zu Beginn und Abschluss der jeweils zweistündigen Gruppenzeit gehören dazu Freispielphasen, Spieleangebote und gemeinsame Essenszubereitung. Marquardts Beobachtung: „Die freuen sich alle, dass sie herkommen können.“
Bretall ist überzeugt: „Die Hummel als Identifikationsfigur funktioniert.“ Dazu hätten auch die Spenden beigetragen, die in den beiden vergangenen Jahren der „Hummel“ auf die Sprünge halfen: Diakonie, Stadt Gronau, Sparkasse und Lion´s Club waren maßgeblich beteiligt. Außerdem spendete die Firma C&A. Die Sprossenwand im neuen „Hummel“-Domizil verdankt die Gruppe der „Combat Hall“.
Und die „Hummel“ soll weiter wachsen. Bretall: „Im Kreis Borken gilt die Hummel als Leuchtturmprojekt.“ Mit entsprechender Wirkung: 2012 soll - diesmal unter Ägide der Caritas - eine „Hummel“-Gruppe für Kinder im Kindergartenalter entstehen. Und für Jugendliche, die der Kerngruppe entwachsen, will der Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) NRW einen direkten Ansprechpartner in Person von Daniel Speer bereitstellen. Es gebe bereits zwei weitere Gruppen im Kreis, die dem Beispiel der Gronauer „Hummel“ gefolgt seien, so Bretall. „Und im Kreis Steinfurt will man das Konzept eventuell auch übernehmen.“
» Die Gruppe trifft sich mittwochs von 16 bis 18 Uhr. Die anonyme E-Mail-Beratung ist erreichbar unter
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
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6.10.2011

Auf dem Königsweg
Projekt "Coenige": Jugendliche lernen Arbeit von Polizei und Richtern kennen
COERDE.In sechs Wochen wird es in Münsters Norden sechs Könige mehr geben. Oder vielmehr "Coenige" in Anlehnung an Coerde. So lautet die offizielle Schreibweise eines Projekts, das Kinder aus dem Stadtteil stark machen und Gewalt und Kriminalität vorbeugen soll.
Bereits zum vierten Mal durchlaufen Zehn- bis Zwölfjährige insgesamt acht Module, in der sie ungewohnte Einblicke in den Polizeialltag, das Gerichtswesen oder die Arbeit eines Streetworkers gewinnen werden. Nun war die erste gemeinsame Sitzung aller Akteure im Haus der offenen Tür (HOT) der evangelischen Andreas-Gemeinde.
Die verschiedenen Institutionen aus dem Arbeitskreis Coerde verfolgen ein gemeinsames Interesse: Als verlässliche Ansprechpartner genießen sie das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen. Auch wenn diese mal in brenzlige Situationen geraten sollten.
Damit es gar nicht erst soweit kommt, erfahren sie schon jetzt, welche Konsequenzen Fehlverhalten haben kann. Dabei wird auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet. "Mit dem Projekt ,Coenige' machen wir die Gesellschaft für die heranwachsenden
Jugendlichen verstehbarer", sagt Peter Griese von der VSE-Jugendhilfeeinheit Münster-Nord. "Der Polizist und der Richter bekommen ein Gesicht und werden I als Menschen mit einem Arbeitsauftrag erkannt und nicht als anonymer Staatsapparat."
Die sechs Jungen von der Hauptschule Coerde sind aufgeregt, aber auch stolz auf die Teilnahme am Projekt. Jubel brandet auf, als sie hören, dass einige Exkursionen auch während der Schulzeit stattfinden. Etwa der Besuch des Landgerichts, wo sie eine Gerichtsverhandlung erleben, mit einem Jugendrichter reden und die Arrestzellen kennen leinen.
In den kommenden sechs Wochen absolvieren sie Kurse zur Gewaltprävention, zu Gefahren der neuen Medien und alternativen Freizeitprogrammen. Sie lernen, wie sich Beleidigungen anfühlen und wo sie Hilfe bekommen können.
Ganz besonders freuen sie sich auf den Tag im Polizeipräsidium an der Seite des Kommissars Uwe Schnaubelt.
Schon in der Vorstellungsrunde löchern sie ihn eifrig mit Fragen wie: ,,Haben Sie schon mal geschossen?" Schnaubelt ist bei der Kripo Münster für den Bereich Prävention zuständig. Er spricht die Sprache der Jugendlichen: "Wir versuchen Euch Tipps zu geben, damit Ihr keinen Mist baut", beschreibt er die Ziele von "Coenige".
Gruppendelikte verhindern
Als die Coerder Jugendhilfeeinrichtungen 2006 mit der Planung des Projekts begannen, ging es um mögliche Treffpunkte für die Coerder Jugend. Das Zusammenschließen zu Gangs und damit verbundene Gruppendelikte sollten verhindert werden.
"Das hatten wir nämlich schon mal", erinnert sich Griese. Zielgruppe sind Jungen zwischen zehn und 14 Jahren, einem Alter, in dem sie noch nicht für Straftaten belangt werden können.
Bernhard Gleitz von der Jugendgerichtshilfe will den Kindern auf einfache Weise das Strafrecht vermitteln. "So dramatisch, wie sie oft dargestellt wird, ist die Situation der Jugendkriminalität nicht", erläutert er. "Nur sechs Prozent der zwischen 14- und 20-Jährigen werden als straffällig bekannt." Den zukünftigen "Coenigen" wird auf . anschauliche Art das Rüstzeug gegeben, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen
Oliver Farke
Breites Bündnis bringt sich ein
Sieben Organisationen und Institutionen bringen sich in das Projekt "Coenige" ein. Mit im Boot sind: Das Haus der offenen Tür (HOT) der evangelischen Andreas Kirchengemeinde (Atilla Repkeny), das AWO-Stadtteilbüro Coerde (Gabriele Hess), die Polizei (Andreas Hanke und Uwe Schnaubelt), der Jugendtreff-Coerde des Deutschen Roten Kreuzes (Ute Pier), die VSE-Jugendhilfeeinheit Nord (Peter Griese), die Hauptschule Coerde (Peter Voß) und der Kommunale Sozialdienst - Jugendgerichtshilfe (Bernhard Gleitz).
6.10.2011

Im Kreis der „Coenige"
Coerder Netzwerk organisiert Projekt zur Kriminalprävention / Besuche bei Polizei und Gericht gehören dazu
Von Marion Fenner
MÜNSTER-COERDE. Sechs Jungen aus Coerde wollen kleine .Coenige" werden. Die zwölf- und 13-jährigen Hauptschüler nehmen freiwillig an einem Projekt teil, in dem es um Gewalt- und Kriminalprävention geht. .Coerde ist ein Stadtteil mit einem hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen mit vielen verschiedenen sozialen Problemlagen", erklärte Peter Griese vom Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) der Jugendhilfeeinheit Nord. Teilweise würden auch Kinder, die noch nicht strafmündig sind, zu Tätern. Dem Vorzubeugen, das hat sich das Projekt "Coenige" auf die Fahnen geschrieben. Es findet jetzt zum vierten Mal statt. Beteiligt sind viele Vertreter von Einrichtungen aus dem Stadtteil: Attila Repkeny vom HoT der Andreas- Gemeinde, Gabriele Hess vom Awo-Stadtteilbüro, der Bezirksbeamte Andreas Hanke und seine Kollegen, Uwe Schnaubelt vom Kommissariat Vorbeugung, Bernhard Gleitz von der Jugendgerichtshilfe, Peter Griese vom VSE, Ute Pier vom DRK-Jugendtreff und Peter Voß von der Hauptschule Coerde. Sie alle wollen den Teilnehmern auf kindgerechte Weise mit viel Spaß und interessanten Themen vermitteln, dass Regeln und Gesetze eingehalten werden müssen "und dass es bei Problemen viele Hilfsangebote im Stadtteil gibt.
Die künftigen „Coenige" nehmen an verschiedenen Modulen teil. Unter anderem besuchen sie die Polizei und das Gericht.
Auch die Gefahren und der Nutzen des Internets stehen auf dem Projekt-Programm. "Nicht alles, was möglich ist, ist auch gut", sagte Gabriele Hess. Ein Nachmittag wird dem Thema Gewaltprävention gewidmet. Die Veranstalter zeigen den Kindern auch alternative Freizeitgestaltungsmöglichkeiten auf. "Jedes Modul wird mit einer positiv besetzten Aktion enden, damit das Erlebte nachhaltig gefestigt wird", berichtete Peter Griese. Zum Abschluss.der Aktion erhalten alle Teilnehmer eine Urkunde, die sie als .Coenig" ausweist eine Kappe und ein T-Shirt. Die Vorgänger der neuen Teilnehmer tragen diese Auszeichnung mit Stolz. Das war ein Grund für einige, sich bei diesem Projekt anzumelden, weil sie ebenfalls zum Kreis der .Coenige" gehören wollen. Sie werden den Gedanken der .Coenige" weitertragen.
3.10.2011

Zahl der Spielsüchtigen steigt
Aktionstag gegen den gefährlichen Zeitvertreib auf dem Coerder Hamannplatz I Mehr als 100 Unterschriften
COERDE.Das Glücksrad auf dem Coerdemarkt ist eher ein Pech rad. Wer dreht, verliert zumeist: Geld, Freunde, Lebensqualität. Warum finden die Aktionen zum bundesweiten Aktionstag gegen Glückspielsucht in Münster ausgerechnet auf dem Coerder Hamannplatz statt?
"Weil hier die Konsequenzen von Spielsucht unmittelbar bemerkbar sind", sagt Thilo Heise vom Jugendamt. Seit fünf Jahren befindet sich mitten im Einkaufszentrum eine Spielhalle. Von vielen jungen Erwachsenen wird sie als Treffpunkt genutzt.
Eintritt ab 18 Jahren
Da der Eintritt erst ab 18 Jahren erlaubt ist, lungern Jugendliche oft davor herum. "Wer es trotzdem schafft, hineinzukommen, der ist cool", sagt ein 16-Jähriger, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Peter Griese von der Jugendhilfereinheit Münster-Nord des Verbands Sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) sieht die Sache naturgemäß anders. Der Streetworker stellt fest, "dass die Bürger das Umfeld der Spielhalle als Angstraum erleben" und organisiert mit den anderen Einrichtungen vom Arbeitskreis Jugend- Coerde eine Unterschriftenaktion, um einem Bürgerantrag Nachdruck zu verleihen. Darin wir der Oberbürgermeister aufgefordert, durch planungsrechtliche Maßnahmen die Ansiedlung einer Spielothek am Hamannplatz zu unterbinden. Schließlich ist die Stadt Vermieterin der lmmobilie, die zuvor eine Postfiliale beherbergt hatte. Ein pikantes Detail am Rande: Die städtischen Steuereinnahmen durch Glücksspiel sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen, übersteigen mit mehr als 800000 Euro sogar die Einnahmen aus der Alkoholsteuer.
1600 Spielsüchtige
Bernhard Paßlick, Glückspielsuchtberater der Caritas, präsentiert weitere erschreckende Fakten: Auch die Zahl der Hilfesuchenden ist dramatisch gestiegen. Die Zahl der krankhaft Spielsüchtigen in Münster gibt er mit 1600 Menschen an. Fast alle sind Männer. Doch Hilfe suchen meist die Ehefrauen. Gabi Hess von der AWO Coerde kennt diese Fälle gut: ,,Jeder zweite Beratungsfall mit dem Hintergrund Geldnot geht darauf zurück, dass das Geld verspielt wurde." Den Bürgerantrag zur Schließung der Spielhalle unterzeichnen innerhalb von einer Stunde gut 100 Bürger.
Oliver Farke
1.10.2011

Aktionstag gegen Spielsucht
Caritas informiert über Gefahren und Folgen / Kritik am Spielothek-Standort Hamannplatz
Von Claus Röttig
MÜNSTER-COERDE. Es ist eine Krankheit, die von vielen noch nicht als solche wahrgenommen wird: die Spielsucht. Die meist männlichen Kranken verzocken dabei ihren gesamten Monatslohn. ohne an die Konsequenzen zu denken - und brauchen dann Hilfe, um finanziell über den Monat zu kommen. Grund genug, einen landesweiten Aktionstag gegen Spielsucht ins Leben zu rufen. Der Schwerpunkt in Münster lag dabei in Coerde, und das hatte einen Grund. Denn man wollte sich gegen die im Zentrum von Coerde ansässige Spielhalle wenden: "Es geht uns nicht darum generell gegen Spielhallen zu wettern, sondern wir finden einfach, dass der Standort sehr unglücklich ist", so Bernhard Paßliek. Leiter der sozialen Beratungsdienste der Caritas Münster.
Zusammen mit dem Arbeitskreis Jugend –Coerde hatte die Caritas Position auf dem Hamannplatz bezogen, um auf die Gefahren von Spielsucht aufmerksam zu machen. "Die Zahlen sprechen für sich: Insgesamt haben wir in Münster rund 1600 Spielsüchtige", so Paßliek. In den letzten Jahren sei die Zahl eher steigend. Während im Jahr 2004 nur acht Betroffene die Beratung gesucht hätten, seien es 2010 schon 72 gewesen. "Seit rund eineinhalb Jahren ist die Spielsucht auch bei uns ein Problem", so Thi1o Heise vom städtischen Jugendamt, das ebenfalls mit von der Partie war. Dabei habe man festgestellt, dass sich die Spielsucht schleichend zum Problem entwickle. "Das ist wie bei einem Alkoholabhängigen: Man kann nur dann helfen, wenn es der Betroffenen auch will", ergänzte Paßliek.
Um die Probleme zu zeigen, hatten sich die Organisatoren einiges einfallen lassen: Zum Beispiel gab es verschiedene Spiele, bei denen Teilnehmer herausfinden konnten, ob sie selbst spielsüchtig sind. "Es gibt mittlerweile auch schon Kooperationen mit den Spielhallen, aber die stecken noch in den Kinderschuhen", berichten die Experten. Zudem wurden Unterschriften für einen Bürgerantrag gegen die Spielhalle im Zentrum von Coerde gesammelt.
16.07.2011


16.07.2011



VSE sucht neue Bleibe
Münster-Hiltrup - Tom Hense redete nicht lang um das Thema herum: „Wir suchen eine andere Immobilie oder einen Bauplatz.“ Was der Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) genau wünscht, umschrieb er gegenüber Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt ebenso präzise: „Möglichst im Zentrum. Mit Wohnungen für zwei bis zwei Jugendliche sollten es 250 bis 300 Quadratmeter sein.“
Dass der VSE neue Räumlichkeiten sucht, da es am Klosterwald 2 überaus beengt zugeht, ist nichts Neues. Über lange Zeit war der VSE in Hiltrup in aller Munde. Die Politik hatte die Nutzung des Hiltruper Bahnhofsgebäudes in Aussicht gestellt, als man noch weit davon entfernt war, einen privaten Investor zu finden. Bis vor zwölf Monaten glaubte man, dass die Wohn- und Stadtbau den Umbau des Bahnhofs für die Zwecke des VSE finanzieren würde. Daraus wurde nichts. Der Wehmut ist beim VSE noch nicht ganz verfolgen. Der Bahnhof hätte das alles entscheidende Kriterium der Zentralität erfüllt. Die Fußläufigkeit muss gegeben sein, verdeutlicht Desiree Salger."Unsere Jugendlichen rufen nicht an und machen einen Termin, sondern kommen auf einen Sprung herein". Vom Klosterwald koordiniert der VSE seine aufsuchende Jugendarbeit auf der Straße wie auch die erzieherischen Hilfen für Jugendliche."Die Kombination ist wichtig", betont Streetworkerin Susanne Löde.
Zusätzlich würde der VSE möglichst im gleichen Gebäude zwei bis drei Jugendliche stationär betreuen können. Derzeit funktioniert die stationäre Betreuung nur über das Anmieten externer Wohnungen. Aus der Vergangenheit weiß der VSE, wie sinnvoll die enge räumliche Verknüpfung ist. So etwas gab er bereits, bevor dei Räumlichkeiten am Klosterwald zu beengt wurden. von Michael Grottendieck, Hiltrup
14.05.2011

Ein Helfer kommt Heim
Gronau - Vom Keller in eine ehemalige Garage - das klingt nur nach einem kleinen Fortschritt. Für die Jugendhilfeeinheit Gronau des Verbunds Sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) NRW aber ist der Umzug ein großer Schritt, bedeutet er doch, dass der VSE dauerhaft in Gronau Fuß fasst. Zumal die alte Doppelgarage schmuck umgebaut und erweitert wurde, eine Küche ebenso beherbergt wie Büro- und Gesellschaftsräume für die Kinder und Jugendlichen, die das Team im Auftrag des Jugendamtes betreut. Bezogen hat das dreiköpfige Team das Gebäude zwar schon im Dezember. Gestern folgte nun die offizielle Eröffnung im Beisein zahlreicher Vertreter der Stadt, anderer Sozialverbände und der Nachbarschaft.
Gerade den Nachbarn dürfte ein Kopf des Teams schon seit Langem bekannt sein. Seit Kindertagen. Denn Daniel Speer ist Gronauer, besuchte bis 1997 das Siemens-Gymnasium, studierte dann in Hannover und arbeitete anschließend dort beim VSE, bevor er seit 2009 die Gronauer Niederlassung aufbaute. „Ich wollte zurück in die Heimat“, erklärt er. Und den VSE brachte er gleich mit - zunächst in den Keller des elterlichen Hauses an der Eichendorffstraße, seit Dezember in der ehemaligen Garage (Eichendorffstraße 13), die als solche nicht mehr zu erkennen ist.
3.3.2011

Berg Fidel - ein Tal für sich: Soziale Einrichtungen des Stadtteils stellen ihre Arbeit vor
Berg Fidel Seit 40 Jahren gibt es den Stadtteil Berg Fidel. Ein Bezirk, der mit Problemen und Vorurteilen zu kämpfen hat. Neun soziale Einrichtungen stellten sich und ihre Arbeit am Mittwoch der Öffentlichkeit vor. Wichtigstes Ziel: Alteingesessene Münsteraner und die neuen Einwohner sollen sich näher kommen
Von Cornelia Pfeifer

Martin Epping greift zum Pinsel. Der Sozialarbeiter, der sich sonst um die kleineren und größeren Probleme der Menschen in Berg Fidel kümmert, muss diesmal ein selbst verschuldetes Malheur beseitigen: Das Waffeleisen ist durch Teigreste verklebt. Eigentlich sollten die frischen Waffeln die Berg Fideler ins Büro der Jugendhilfeeinheit des Verbunds Sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) locken.
"Am Anfang hat das gut geklappt - wir hatten hier eine richtige Invasion", sagt Epping, während er das Waffeleisen vom Teig befreit. Seit Dezember gibt es die Einrichtung im Einkaufszentrum in Berg Fidel. Epping betreut zusammen mit seiner Kollegin Desiree Salger Familien vor Ort. Sie bieten praktische Hilfestellung zur Erziehung von Kindern und mit betreuten Wohngemeinschaften Alternativen zur Heimerziehung.
40-jähriges Bestehen
Die Jugendhilfeeinheit ist eine von neun sozialen Einrichtungen, die am Mittwoch zum Tag des Offenen Stadtteils eingeladen hatten. Grund war das 40-jährige Bestehen der Siedlung. Die Kitas, das Bürger- und Beratungszentrum Alte Post bis hin zum Stadtteilhaus Lorenz Süd - sie alle erlaubten an diesem Tag Einblicke in ihren Alltag.
"Wir wollen zeigen, wie wir wirklich sind - deshalb gibt es heute auch kein besonderes Programm", erklärt Michael Boße vom Lorenz Süd. Stattdessen führt er interessierte Bürger durch das Stadtteilhaus. Unter anderem kommen Senioren, die regelmäßig den Mittagstisch im Lorenz Süd nutzen - sie wollen die Jugendlichen, die sie sonst immer nur hören, auch einmal persönlich kennenlernen. "Mit einem von den Jungen ist ein älterer Herr dann gleich am Kickertisch hängen geblieben", erzählt Boße.
Diesen Umgang miteinander schätzt auch Martin Epping: "Man geht hier auf die Straße, und mit der Zeit kennt man den ganzen Stadtteil. Das ist hier ein Tal für sich und man kann viel für die Leute tun", sagt er.
Sprachkurse und Hausaufgabenhilfe
Gleich nebenan befindet sich das Bürger- und Beratungszentrum Alte Post. Es hat seine Stammbesucher, denn vor allem Menschen mit Migrationshintergrund nutzen hier die Angebote wie Sprachkurse und Hausaufgabenhilfe. Mit einem Infostand vor der Haustür will der Vereinsvorsitzende Karl-Heinz Winter auch andere Bürger auf das Programm aufmerksam machen: "Wir möchten, dass sich die alteingesessenen Münsteraner und die neuen Einwohner näher kommen".
Einen kleinen Menschenauflauf habe es schon gegeben, als eine Gruppe von Roma-Mädchen vom Sozialpädagogischen Zentrum der AWO vorbei kam und einen Hip-Hop-Tanz aufführte.
Umgangssprache: Deutsch
In der städtischen Kita Berg Fidel interessieren sich die Besucher unterdessen vor allem für den Umgang zwischen deutschen Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund. Kita-Leiterin Sigrid Liebe erzählt ihnen, dass es mit der Sprache nur wenige Probleme gibt.
"Die Kinder wissen, dass unsere Umgangssprache Deutsch ist. Trotzdem respektieren wir auch andere Sprachen und Kulturen und veranstalten zum Beispiel mit Kindern und Eltern ein russisches oder arabisches Themen-Frühstück".
Direkt vor der Haustür steht der pensionierte Stadtplaner Fritz von Poblotzki. Zum Abschluss des Tags des Offenen Stadtteils möchte er durch Berg Fidel führen. Dabei weiß er allerhand Anekdoten zu berichten: Er erzählt vom Autobahnzubringer, der nie gebaut wurde, zeigt ihnen das Rondell, das als einziges vom Lustgarten des Domscholasten von Galen übrig geblieben ist und führt sie schließlich bis zum Weißen Riesen, wo die kleine Reise beim Lorenz Süd endet.
26.02.2011

Kreis Warendorf: Heimerziehung in kleinen Einheiten

Das Angebot des VSE zur freien Jugendhilfe hält Wolfgang Rüting (l.) für unverzichtbar. Freitag besuchte der Leiter des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien des Kreises Warendorf die neuen Räume an der Klosterstraße. Bild: Poschmann
Kreis Warendorf / Warendorf (ap). Vor mehr als 35 Jahren war ein Kinderhaus in der Nähe von Celle die Keimzelle des Verbundes sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE). Die Idee, Heimerziehung in kleinen Einheiten dezentral zu gestalten, hat seitdem viele Anhänger gefunden. Vor 15 Jahren nahm das erste Team in Warendorf seine Arbeit am Standort Siskesbach auf. Seit Freitag nun ist die Einrichtung in einem neuen Büro an der Klosterstraße 7a untergebracht.
Der VSE ist Träger der freien Jugendhilfe und betreut im Auftrag des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien des Kreises Warendorf Familien im heimischen Umfeld, bietet Elterntrainings und Hilfe zur Erziehung sowie Schulungen zum Erlernen sozialer Kompetenzen an Grund- und offenen Ganztagsschulen an. Im Kreis unterhält der VSE mittlerweile drei Büros (Oelde, Warendorf und Telgte).
Drei Kompetenzen machten nach Angaben von Kreisjugendamtsleiter Wolfgang Rüting (Bild l.) den VSE erfolgreich: Flexible und passgenaue Angebote, zielorientiertes Arbeiten und ein hohes Maß an Zuverlässigkeit. „Das Jugendamt ist auf diese Vielfalt angewiesen, und im Kreis ist der VSE eine große Bereicherung“, sagte Rüting. In Zukunft werde die Arbeit der freien Jugendhilfe sogar noch wichtiger. „Die Kompetenzen werden zunehmend in schulischen Bereichen gefordert.“ Als zentrale Herausforderung der kommenden Jahre müsse sich der VSE darauf einstellen, früher in Familien aktiv zu werden. „Die Hilfe zur Erziehung wird zunehmend ein Bildungsfaktor.“ Deshalb müsse sowohl fachlich als auch finanziell investiert werden, „auch wenn das ein teures Unterfangen ist“. Die Jugendhilfeeinheit Warendorf-Oelde besteht aus Marlene Hommernick, Andreas Middeldorf, Katja Kresimann, Karin Simon und Ralf Dickmann, die Außenvertretung für den Kreis liegt bei Sabine Burkhardt und die Fachberatung bei Karl-Heinz Lambers.
21.01.2011

Ein Nest für Mutter und Kind
Greven - Zwei junge Frauen werfen ihre Babys in die Luft. Marie und Lena (alle Namen geändert) kreischen vor Vergnügen. Zärtlich drücken die Mütter die zarten Gesichtchen gegen ihre Wange, lachen in die runden Kinderaugen. Ein Stückchen vom Paradies? Gewiss. Aber es ist schwer erkämpft.
Am Anfang stand die Verlassenheit. „Ich hatte keinen, den ich um einen Tipp fragen, den ich anrufen könnte“, sagt Marina. Lange Jahre lebte die Zwanzigjährige in Jugendhilfeeinrichtungen. Ein kurzes Eheglück, aber kaum war Marina schwanger, ließ der Mann sie im Stich. Sie floh ins Frauenhaus, dann kroch sie mal bei dieser, mal bei jener Bekannten unter. „Im Grunde habe ich auf der Straße gelebt.“
Sonja hatte ein Zuhause bei ihrer Mutter. Mit 18 wurde sie schwanger. Was tun? „Meine Mutter sagte, dass sie das nicht mehr schafft mit einem Baby in der Wohnung“, erzählt Sonja. Gemeinsam ging man zum Jugendamt, suchte nach einer Lösung - und fand sie auch. „Trotzdem fühlte ich mich rausgeschmissen“, schildert die junge Frau, wie schwer es war, sich von zu Hause zu lösen und sofort die Verantwortung für einen Säugling zu übernehmen.
Heute haben die beiden Frauen ein Zuhause - nicht gerade das, von dem sie geträumt haben mögen, und es ist auch nur auf Zeit. Aber es ist ein Nest, wo sie keine existenziellen Sorgen haben - und wo einer da ist, den sie fragen können. In der Villa Samin an der Nordwalder Straße hat der VSE (siehe Kasten) nicht nur Appartements für Jugendliche, die zu Hause Schwierigkeiten haben, sondern auch drei kleine Wohnungen für Mütter mit Kindern. „Bei uns steht die Beziehung Mutter-Kind im Mittelpunkt“, sagen Frederyk Saschek und Gaby Voigt. Beide sind Sozialarbeiter in der Villa Samin. Und wenn Marie oder Lena nachts gewickelt werden, wenn sie ein Fläschchen bekommen oder einfach nicht schlafen können, sind die Fachleute vom Haus dabei, zumindest in den ersten Wochen. Schließlich haben viele Mädchen überhaupt keine Erfahrung mit Kindern. Das birgt immer die Gefahr, dass das Kind falsch versorgt wird. „Ich habe es gehasst“, hat sich Marina anfangs gegen diese Begleitung gewehrt. Kontrolle - das ist für die selbstbewusste Zwanzigjährige ein rotes Tuch. Doch jetzt hat sie die Auflage akzeptiert. „Es gibt Mütter, die wachen nicht mal auf, wenn ihr Baby schreit.“ Sie selbst ist allerdings das genaue Gegenteil. Gerade zwei Mal war sie im vergangenen Jahr ohne Kind weg. Sie mag es einfach nicht in fremder Obhut lassen, auch nicht in der der Betreuer, die nach Absprache gelegentlich den Babysitter spielen. „Das braucht jede Mutter“, weiß Gaby Voigt, dass ein babyfreier Abend gelegentlich sein muss. Eines aber ist tabu in der Villa Samin: „Mal eben“ die Nachbarin bitten, ein Auge aufs Kind zu haben. „Es ist wichtig, dass sich die Frauen um qualifizierte Betreuung für ihr Kind kümmern“, sagen die Sozialarbeiter. „Wenn sie später allein wohnen, müssen sie das auch tun.“ Für Marina wird dieser Fall demnächst akut: Mit Unterstützung des VSE-Teams sucht sie derzeit für sich und ihre einjährige Tochter eine Wohnung. Sie wird auch dort noch Unterstützung bekommen, ambulant sozusagen. Die „Abnabelung“ soll behutsam geschehen. Noch lange wird jemand da sein, der Marina einen Tipp gibt.
Sonja hat es in dieser Hinsicht ein bisschen leichter - ihre Mutter unterstützt sie, gerne auch mal als Babysitter. Mit dem Vater ihres Kindes hat sie zwar gebrochen, dafür hat sie einen guten Freund, der sogar bei der Geburt neben Mutter und VSE-Betreuerin mit dabei war. Mittlerweile ist der junge Mann mehr geworden als ein guter Freund.
Die beiden kochen regelmäßig in der kleinen Küche, die zu den Appartements gehören. Zweimal pro Woche darf der Freund bei ihr übernachten, mehr gestattet die Hausordnung nicht. Sonja hat noch ein wenig Zeit, ehe sie die Villa verlässt. Im nächsten Jahr will sie den Realschulabschluss nachholen. „Ich möchte unbedingt eine Ausbildung machen, am liebsten im Einzelhandel“, sagt sie. Eine Betreuungskraft berät sie speziell, wenn es um diese Fragen geht. „Wir haben eine Betreuung für das Kind und eines für die Mutter“, erläutert Frederyk Saschek, dass die Interessen beider im Auge behalten werden. Und dabei kann es Konflikte geben, die sich nicht immer mit einem Happy End auflösen. Denn es kommt durchaus vor, dass sich eine Frau entscheidet, ihr Kind in eine Pflegefamilie zu geben, weil sie merkt, dass sie es nicht schafft. „Dafür haben wir sehr viel Respekt“, wissen die Sozialarbeiter, dass eine solche Entscheidung immer von viel Verantwortung zeugt und oft sehr, sehr schmerzlich ist. Umso mehr bedauern es die beiden, dass eine volljährige Mutter in dem Augenblick, da sie sich vom Kind trennt, nicht weiter Anspruch hat auf die Unterstützung der Jugendhilfe. „Wir haben es anderswo schon erlebt, dass eine Mutter auf der Straße stand, nachdem sie das Kind abgegeben hatte“, berichtet Saschek. Beim Grevener Jugendamt hat man für die Situation der jungen Frauen allerdings mehr Verständnis und setzt keine auf die Straße. „Aber der Kostendruck der Kommune ist sehr groß“, wissen die Sozialarbeiter.
Sonja und Marina allerdings wollen ihre Kinder selbst großziehen. Marina wünscht sich eine große Familie, sich selbst sieht sie als Mutter und Ehefrau, die zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert. Denn Kinder sind für sie etwas ganz Besonders. „Seit ich 13 bin, habe ich davon geträumt, schwanger zu werden“, sagt sie. Zu ihrem Traum vom Paradies gehören Kinder. Unbedingt.
» Um bei der Betreuung junger Mütter ein bisschen mehr finanziellen Spielraum zu haben als die Kommunen finanzieren können, hofft der VSE auf Spenden (VSE, Kreissparkasse Steinfurt, BLZ 401 510 60; Konto-Nummer 66000324, Stichwort: Mutter-Kind.
von Monika Gerhart, Greven
22.06.2010

Familienarbeit in Coerde
Das Ziel: Überflüssig werden
COERDE Stadtteilarbeit heißt fast immer: Netzwerke schaffen und tatkräftige Menschen zusammenbringen. Peter Griese vom "Frühe Hilfen"-Projekt hat genau das geschafft und dafür den Netzwerkpreis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bekommen (BZgA). Ein guter Anlass, über Familienarbeit in Coerde zu sprechen.
von Christian Boeckmann

Herr Griese, der Erfolg ihrer Infobörse "Frühe Hilfen für junge Familien in Coerde" hat sich herumgesprochen. Das scheint mehr zu sein als ein Regal mit Flugblättern. Griese: Erstens: Unser Standort seit März 2009 in der Stadtteilbücherei ist super, weil die sowieso eine Drehscheibe für Informationen ist - wir haben in Coerde schließlich kein Bürgerhaus. An der Infobörse stehen Heike Päßler von der Bücherei und ich parat. Es geht also nicht nur um das Verteilen von Handzetteln, sondern um passgenaue Hilfen: Hebammen-Angebote, Sprachkurse, Kindertagesstätten. Ein Schwerpunkt sind die Vorsorgeuntersuchungen für zwei- bis fünfjährige Kinder unter den Kürzeln U7 bis U9.
Warum sind die so wichtig? Griese: Es geht darum, zu schauen, wie sich Kinder körperlich entwickeln, und ob Verhalten, Sprachverständnis und Aussprache altersgemäß sind. Wenn es Auffälligkeiten gibt, spricht der Arzt mit den Eltern und bietet Unterstützung an.
Wie erreichen Sie die Eltern? Griese: Uns hilft dabei die BZgA-Kampagne "Ich geh' zur U! Und du?" - Kinder, die beim Arzt waren, bekommen dafür in der Kita ein T-Shirt. So motivieren sie andere Kinder und auch die Eltern, die "U" wichtig zu nehmen. Dafür haben wir sechs Coerder Kindertagesstätten ins Boot geholt und bislang 400 Kinder zur kostenlosen Vorsorge gebracht.
Sind die Vorsorgeuntersuchungen keine Selbstverständlichkeit? Griese: Seit den 70er Jahren hatte sich die Teilnahme zum Standard entwickelt, inzwischen funktionieren viele "Familiensysteme" aber nicht mehr wie früher. Deshalb gibt es die BzgA-Kampagne schon seit einigen Jahren. Ziel aller "Frühen Hilfen" ist, sie möglichst überflüssig zu machen - die Menschen sollen ihr Leben wieder in die Hand nehmen.
Man kann den Eindruck haben, dass immer mehr Hilfen für ein gelingendes Leben angeboten werden müssen. Griese: Es hat einen Generationenwechsel gegeben. Früher haben die Jungen von den Alten gelernt und umgekehrt. Heute gibt es einen Graben zwischen den Altersgruppen. In Coerde wollen wir zum Beispiel mit dem Mehrgenerationen-Spielplatz (Culmer Straße) gegensteuern oder mit den Lesepatenschaften, bei denen ältere Menschen in die Kitas gehen.
Was sind die Ursachen? Griese: Einen Anteil haben die Neuen Medien. Als Streetworker habe ich beobachtet: Über das Internet holen sich die Leute zwar alle Arten von Informationen - verlernen aber, miteinander und über Gefühle zu sprechen.
Wohin fließt Ihr Preisgeld über 1000 Euro? Griese: Ich habe mir schon vom Arbeitskreis Coerde eine Ideenbörse gewünscht für die Frage, wie wir beispielsweise die Arge Münster bei uns einbinden können.
22.06.2010

Kein Kind darf durchs Netz fallen

Münster-Coerde - Peter Griese hat sich „riesig gefreut“. Heike Pässler auch. Und ganz sicher haben sich mit diesen beiden viele Kinder, Mütter, Väter, Erzieher, Sozialarbeiter und auch viele „einfache“ Bürger in Coerde gefreut. Peter Griese und Heike Pässler allerdings hatten jetzt das Vergnügen, in Nienburg an der Weser einen mit 1000 Euro dotierten Preis entgegenzunehmen: Der dritte Netzwerkpreis 2009 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geht an die Jugendhilfeeinheit Münster-Nord in Coerde.
Was die Juroren überzeugt hat? „Seit dem Frühjahr 2009 gibt es in der Stadtteil-Bücherei in Münster-Coerde eine Informationsbörse zum Thema ,Frühe Hilfen für Familien mit kleinen Kindern. Sie befindet sich im Eingangsbereich und besteht aus Broschüren, Faltblättern und Plakaten. Dort finden junge Familien Informationen über alle Einrichtungen, die im Stadtteil aktiv sind. Auch die Aktion der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ,Ich geh zur U! Und Du? wird in der Informationsbörse vorgestellt.“ Das „U“ steht dabei schlicht für Untersuchung.
Kein Wunder also, dass Heike Pässler als Bücherei-Mitarbeiterin mit zur Preisverleihung fahren durfte. Peter Griese arbeitet im Verein „Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen“ in Coerde und ist Koordinator für Kinder-Früherkennung-Projekte. Ihm war es im WN-Gespräch wichtig zu betonen, dass die „Jugendhilfeeinheit Münster-Nord“ in Kooperation mit dem Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, dem Gesundheitsamt der Stadt Münster, den sechs Kindertagesstätten in Coerde und eben der Stadtbücherei mit dem Netzwerk-Preis ausgezeichnet worden ist.
Peter Griese räumt ein, dass die Idee, Broschüren in einer Bücherei auszulegen, eigentlich banal ist. Aber wie so oft im Leben: Auf die guten einfachen Ideen kommt erst einmal niemand - die Coerder schon! Eine Bücherei ist ein idealer Ort, um Menschen anzusprechen. Eine Hemmschwelle, sie zu betreten, gibt es nicht. Die Informationsbörse der Stadtteil-Bücherei kann von allen Bewohnern und Fachkräften in Coerde genutzt werden. Sie gibt Auskünfte über pädagogische und gesundheitliche Themen und eignet sich auch als Plattform für allgemeine Informationen über den Stadtteil. Griese: „So fördert sie den Austausch unter den Besuchern und führt Kinder schon früh an das Angebot der Bücherei heran.“
Die Früherkennungs-Aktion der Bundeszentrale sei wie geschaffen für „unsere Infobörse, die sich an junge Familien richtet. Die Materialien eignen sich hervorragend, um bei jungen Müttern und Vätern Interesse für die Früherkennungsuntersuchungen zu wecken. Neben der Familienolympiade oder Präventionsangeboten vor und nach der Geburt und weiteren Angeboten ergänzt die Aktion unsere Erziehungs- und Gesundheitsinformationen aufs Beste“, lobt Peter Griese. Kein Kind soll durchs Netz fallen.
400 Kinder in den Kindertagesstätten (Awo-Familienzentren Marderweg und Nerzweg, Kita am Edelbach, DRK-Kita an der Meerwiese, Familienzentren Andreas-Kindergarten und St. Norbert) haben die Früherkennungsuntersuchungen besucht und T-Shirts erhalten. „Durch die gezielte Ansprache der Eltern wurden bei vielen Kindern die Untersuchungstermine noch eingehalten“, sagt Griese.
von Bettina Laerbusch, Münster
22.01.2010


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